Gewinner GENERATION-D 2015/16

Sunté schlägt mit seinem innovativen Konzept zur Gesundheitsvorsorge in Entwicklungsländern gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Die von den Studierenden eingerichteten Solarpanels erzeugen Elektrizität in zentralen Krankenstationen, die sowohl die Verbesserung der medizinischen Versorgung als auch die Einrichtung von Handyladestationen ermöglicht.“

Liebes Sunté-Team, stellt euch doch kurz einmal vor – was genau macht ihr?

Sunté ist ein Projekt, das Gesundheit, Sonne und Handys zusammenbringt und dadurch die Strom- und Gesundheitsversorgung in Afrika nachhaltig verbessert. Genauer gesagt läuft das so ab:

In ländlichen Gebieten des westafrikanischen Landes Togo sind die Gesundheitsstationen in den Dörfern die erste Anlaufstelle bei Beschwerden und zur Vorsorge. Jedoch behindern zwei Probleme die Arbeit der Stationen: Erstens führt der fehlende Zugang zu Strom und Licht zu Gefahren bei Behandlungen in der Nacht. Zweitens wäre da die Skepsis vieler Dorfbewohner, die nur selten oder erst sehr spät zur Vorsorge/ Behandlung in die Station kommen. Beide Probleme lösen wir mit dem Projekt Sunté durch die Ausstattung der Stationen mit Solarpanels. Dank Strom und Licht wird die Behandlungssituation verbessert; zusätzlich wird über den Strom eine Handyladestation betrieben. Handyladungen sind in den ländlichen Gebieten nämlich sehr gefragt, denn viele Menschen besitzen zwar ein Mobiltelefon, haben aber keinen Zugang zu Strom. Durch Sunté kann die lokale Bevölkerung jetzt direkt vor Ort in einer Gesundheitsstation ihr Handy laden – dadurch kommen die Leute öfter, informieren sich besser und können ggf. sofort behandelt werden. Die Handyladungen machen das Ganze auch finanziell nachhaltig – pro Ladung wird eine kleine Gebühr erhoben, die direkt zurück in das Projekt fließt. Das Projekt besteht auf deutscher Seite aus sieben begeisterten Studenten der Initiative Enactus Mannheim und auf togolesischer Seite aus dem Team des lokalen Social Business‘ Kopeme Group.

Seit wann gibt es Sunté bereits und wie seid ihr auf die Idee gekommen, zu gründen?

Das Projekt Sunté gibt es in seiner jetzigen Form seit Februar 2014. Unser ehemaliges Teammitglied Verena hat als Freiwillige ein Jahr in ländlichen Gegenden Togos gearbeitet und ist dort an Malaria erkrankt. Bei Besuchen der örtlichen Krankenstationen ist ihr aufgefallen, dass dort komplett ohne Strom behandelt werden muss. Gleichzeitig bemerkte sie, dass ziemlich viele Menschen ein Mobiltelefon benutzen, obwohl das nationale Stromnetz relativ schlecht ausgebaut ist und es fast keine Auflade-Möglichkeiten gibt. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland ist Verena der Studenteninitative Enactus an der Universität Mannheim beigetreten und hat dann gemeinsam mit weiteren motivierten Studenten aus verschiedenen Fachrichtungen das Konzept ausgearbeitet. Schlussendlich konnten wir genau die Krankenstationen von damals mit Solarsystemen ausstatten.

Wie hat euch die Teilnahme bei GENERATION-D geholfen, euer Ziel zu erreichen?

GENERATION-D hat uns für die Weiterentwicklung des Projektes sehr geholfen. Dabei ist natürlich zuerst das Umfeld zu nennen. Wo gibt es sonst so gute Möglichkeiten, interessante, sympathische und tatkräftige Personen zu treffen? Die Atmosphäre während den Projektpräsentationen und auch bei anschließenden Veranstaltungen war einfach enorm angenehm und fördernd. Anregende Gespräche, Austausch von Ideen und Erfahrungen und neue Kontakte haben viele neue Gedankenanreize gebracht. Gleichzeitig ist die Betreuung von Seiten des GENERATION-D Teams und deren Unterstützer sehr gut und ermöglichte eine fruchtbare Erweiterung unseres Netzwerks. Des Weiteren bekamen wir ausführliches Feedback über das Konzept und unsere Präsentation, was sich als hilfreich für weitere Geldgeber erwies. Zu guter Letzt möchten wir noch die finanzielle Unterstützung nennen, welche uns die Expansion in weitere Länder ermöglicht.

Was hat sich seit eurer Teilnahme bei GENERATION-D getan, also wie ging es danach für euch weiter?

Nach der Auszeichnung durch GENERATION-D waren wir umso motivierter und engagierter, das Projekt in weitere Länder Afrikas zu bringen. Nach leider erfolglosen Planungen in Madagaskar und den Philippinen konnten wir im Herbst letzten Jahres sehr positive Nachrichten verkünden. Zum einen haben wir bei einer amerikanischen Organisation zusätzliche Spendengelder bekommen, zum anderen hatten wir vielversprechende Gespräche mit Instituten und Organisationen in Tansania und Uganda begonnen. Schließlich waren alle wesentlichen Punkte geklärt und wir reisten im Januar diesen Jahres nach Tansania, um vor Ort das Projekt umzusetzen. Leider mussten wir dort feststellen, dass die Realität doch etwas anders aussah als uns versprochen. Tansania hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt und es ist absehbar, dass weite Teile des Landes bald ans Stromnetz angeschlossen sind. Das ist natürlich bei unserem bereits geleisteten Arbeitsaufwand etwas ernüchternd, jedoch wollen wir als Social Entrepreneure ja Entwicklungen anstoßen und sehen dies schlussendlich positiv, da es auch ohne unser Engagement bereits Verbesserungen gibt. Wir haben deshalb entschieden, uns neben Uganda eher auf den Westafrikanischen Raum zu konzentrieren.

Was sind eure Visionen für die Zukunft, wo soll es hingehen?

Unsere Vision ist es nach wie vor, dass so viele Menschen wie möglich Zugang zu besserer Gesundheitsversorgung und Strom bekommen sollen. Im Februar reisen wir nach Togo, um die Expansion dort weiter voranzutreiben und stehen darüber hinaus im Austausch mit Organisationen in anderen afrikanischen Ländern. Schlussendlich hoffen wir, mit dem Projekt weiterhin Außerordentliches zu erreichen!

Danke für das Interview und im Namen des gesamten GENERATION-D Teams weiterhin viel Erfolg!

( Interviewzeitpunkt Januar 2017 )