Gewinner GENERATION-D 2011

Das Team von Was hab ich? übersetzt Mediziner-Latein in Patienten-Deutsch. Auf ihrer Plattform bietet das Team eine bisher einmalige Anlaufstelle für Patienten im Internet: Hier werden Befunde von Medizinstudenten in eine leicht verständliche Sprache übersetzt – und zwar kostenlos. Das Studententeam wird fachlich von über 40 Ärzten und zwei Psychologinnen unterstützt, insgesamt engagieren sich bereits über 300 Mediziner ehrenamtlich für das Projekt. Ziel des Projekts ist es, die Kommunikation zwischen Arzt und Patient zu verbessern.

Liebes „Was hab‘ ich?“ Team, stellt euch doch kurz einmal vor – was genau macht ihr?

Damit Patienten im Arztgespräch die richtigen Fragen stellen und gemeinsam mit ihrem Arzt die richtigen Entscheidungen für ihre Gesundheit treffen können, erhalten sie von „Was hab’ ich?“ eine für sie verständliche Erklärung ihrer medizinischen Befunde. Dieser Service ist für Patienten kostenlos, denn im Hintergrund der Website washabich.de arbeiten hunderte Medizinstudierende und Ärzte ehrenamtlich für eine bessere Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Die Mediziner erhalten dazu eine intensive Ausbildung in patientenfreundlicher Kommunikation. Unsere Kommunikations-Ausbildung bieten wir auch als Universitätskurs für Medizinstudierende an. Weiterhin arbeiten wir intensiv an unserem neuesten Projekt, dem Patientenbrief, der eine leicht verständliche Version des Entlassungsbriefs nach dem Krankenhausaufenthalt ist.

Seit wann gibt es „Was hab‘ ich?“ bereits und wie seid ihr auf die Idee gekommen, zu gründen?

Als Mediziner wird man häufig von Freunden und Verwandten gebeten, deren medizinische Befunde zu erklären. Die Medizinstudierenden Anja und Johannes Bittner und der Informatiker Ansgar Jonietz haben sich gefragt, was eigentlich die Patienten machen, die keine Mediziner kennen. Daraus entstand die Idee zu washabich.de – innerhalb von nur 4 Tagen ging die Website online. Das war am 15. Januar 2011.

Wie hat euch die Teilnahme bei GENERATION-D geholfen, euer Ziel zu erreichen?

Die Auszeichnung als Bundessieger hat uns in unserem ersten Projektjahr die Möglichkeit gegeben, uns weiter zu entwickeln und zu wachsen, unter anderem auch durch die daraus resultierende Medien-Präsenz. GENERATION-D hat damit einen wichtigen Anteil an unserem Erfolg.

Was hat sich seit eurer Teilnahme bei GENERATION-D getan, also wie ging es danach für euch weiter?

Wir haben festgestellt, dass der Bedarf nach leicht verständlichen Informationen bei den Patienten sehr groß ist. Und dass wir durch die Ausbildung von Medizinern eine noch größere Wirkung erzielen können – denn der Mediziner, der lernt, sich leicht verständlich auszudrücken, kommuniziert vielleicht sein ganzes Berufsleben lang verständlicher. Insgesamt konnten wir bereits über 1.500 Medizinstudierende und Ärzte in patientenfreundlicher Kommunikation schulen. Bis heute haben wir über 30.000 Befunde übersetzt.

Mit leicht verständlichen Entlassbriefen nach dem Klinikaufenthalt möchten wir zukünftig noch mehr Patienten helfen: Unser Patientenbrief wird bereits seit Herbst 2015 an einer Pilotklinik eingesetzt und evaluiert. Die ersten Ergebnisse sind sehr positiv und wir hoffen, bald vielen weiteren Patienten und Angehörigen mit dem Patientenbrief leicht verständliche Informationen rund um Diagnosen, durchgeführte Untersuchungen, Medikationspläne und gesundheitsförderliches Verhalten zur Verfügung stellen zu können.

Was sind eure Visionen für die Zukunft, wo soll es hingehen?

Die „Was hab‘ ich?“-Vision ist es, Arzt und Patient auf Augenhöhe zu bringen. Konkret heißt das für uns, dass wir uns wünschen, dass zukünftig jeder Patient auf genau die Gesundheitsinformationen zugreifen kann, die er gerade benötigt. Das heißt: Leicht zugänglich, leicht verständlich und im richtigen Umfang, um sich seiner Erkrankung bzw. Gesundheit angemessen zu verhalten. Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient soll gestärkt werden. Der gut informierte Patient kann im Arztgespräch bessere Fragen stellen, ihm fällt es leichter, gemeinsam mit dem Arzt Entscheidungen zu treffen und er wird sich eher an die Therapie-Vorgaben des Arztes halten.

Dazu möchten wir einerseits viele weitere Mediziner in patientenfreundlicher Kommunikation ausbilden, am besten als Teil der Pflichtlehre im Rahmen des Medizinstudiums. Andererseits wünschen wir uns, dass zukünftig jeder nach einem Krankenhausaufenthalt – oder auch nach einem Arztbesuch – leicht verständliche, individuelle, schriftliche Gesundheitsinformationen erhält.

Danke für das Interview und im Namen des gesamten GENERATION-D Teams weiterhin viel Erfolg!

( Interviewzeitpunkt Januar 2017 )

( Foto von David Pinzer. )

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