Gewinner GENERATION-D 2015/16

Integreat. Der mobile Alltagsguide für Flüchtlinge. Lokale Informationen und Nachrichten für Menschen mit Fluchthintergrund.“

Liebes Integreat-Team, stellt euch doch einmal kurz vor – was genau macht ihr?

Integreat ist eine kostenlose, mehrsprachige und offline nutzbare App, die Kommunen und Landkreise nutzen können, um MigrantInnen und Geflüchtete in ihrer Region mit wichtigsten Informationen zu versorgen. Die Kommunen und Landkreise erhalten eine von Integreat erstellte und bereits ins Englische, Arabische und Persische übersetzte Vorlage mit Inhalten, die in ganz Deutschland gültig sind (z.B. wie ist der Notruf, wie komme ich an meine Medikamente). Diese wird dann um die für die neu ankommenden Menschen so wichtigen lokalen Informationen ergänzt. Diese lokalen Informationen weisen die lokalen Beratungsstellen aus und erklären, wie gewisse Prozesse vor Ort ablaufen (z.B. wie erhalte ich eine Facharztüberweisung). Mithilfe von Integreat kann das Know-how der Menschen vor Ort „angezapft“ werden und mithilfe unserer Plattform an die Zielgruppe weitergegeben werden.

Seit wann gibt es INTEGREAT bereits und wie seid ihr auf die Idee gekommen, zu gründen?

Integreat ist in Augsburg im November 2015 gestartet. Davor waren etwa 5 Monate ehrenamtliche Entwicklungsarbeit nötig, die wesentlich vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität München unterstützt wurde. Gegründet haben wir dann etwa zwei Monate nach unserem Gewinn bei GENERATION-D als gGmbH, mit dem Augsburg Verein Tür an Tür, der sich nun seit fast 25 Jahren auch überregional für eine erfolgreiche Integration einsetzt und Mitarbeitern der Technischen Universität München als Gesellschafter.
Eine Gründung war deswegen notwendig, um mit den Gebietskörperschaften Verträge abschließen zu können, um so neben Spenden und Fördergeldern einen zusätzlichen finanziellen Kanal zu öffnen, nachdem die Nachfrage nach Integreat über das Jahr erfreulicherweise weiter zugenommen hatte.

Wie hat euch die Teilnahme bei GENERATION-D geholfen, euer Ziel zu
erreichen?

Eine Gründung bringt ja bekannterweise Kosten mit sich, die wir auch aus unserem Gewinn finanzieren konnten. Darüber hinaus sind unser größter Kostenblock die Reisekosten, nicht nur um unsere Lösung bei Kommunen und Landkreisen vorzustellen, sondern auf entscheidenden Multiplikatorveranstaltungen präsent zu sein und ein Netzwerk auszubauen. Außerdem steht GENERATION-D als unser erster Preis, der den Auftakt eines für uns sehr erfolgreichen Jahres symbolisiert. Zum ersten Mal gab es die überaus wichtige Bestätigung von außen, dass man an unser Projekt glaubt und Potenzial sieht – eine für ein Team aus ehrenamtlichen ÜberzeugungstäterInnen immense Motivation weiterzumachen.

Was hat sich seit eurer Teilnahme bei GENERATION-D getan, also wie
ging es danach für euch weiter? 

Mittlerweile sind 14 Kommunen und Landkreise „live“ und etwa 20 weitere befinden sich in der Pipeline. Zum Zeitpunkt unseres Erfolges bei GENERATION-D waren es fünf. In den ersten beiden Arbeitswochen im neuen Jahr 2017 waren bereits vier weitere Pitches, was uns zeigt, dass Integreat nach wie vor großer Nachfrage gegenübersteht. Der „Schwäbische Integrationspreis“, der „Engagementpreis“ und der „Future Award – Kategorie: Technology“ wurden an Integreat übergeben und das Team weiter ausgebaut. Derzeit blicken wir auf über 80 IntegreatlerInnen zurück, die zu irgendeinem Zeitpunkt das Projekt unterstützt haben, wovon zu jeder Zeit etwa 20-30 aktiv dabei sind.

Was sind eure Visionen für die Zukunft, wo soll es hingehen?

Die eigentliche Aufgabe der Integration, vor allem der vielen Geflüchteten aus den letzten beiden Jahren, beginnt erst jetzt und wird noch einige Jahre andauern. Integreat wird diesen Integrationsprozess aktiv unterstützen und begleiten. So werden demnächst die erste Praktikumsbörse und die erste Jobbörse in Integreat zu finden sein. Wir arbeiten dabei mit etablierten Partnern zusammen, die dort ihre Stärken haben und nutzen gemeinsam die Reichweite von Integreat, um die Angebote auch an die Zielgruppe zu bringen. Wir haben vier Säulen als essentiell für eine erfolgreiche Integration identifiziert: Deutsche Sprache, das Finden der eigenen Wohnung, Integration in den Arbeitsmarkt und zum Schluss ganz wichtig ist das Thema „Teilhabe“.
In all diesen Bereichen wird Integreat früher oder später als digitaler Helfer sowohl für die Geflüchteten als auch für die haupt- und ehrenamtlichen Helfer vor Ort zur Verfügung stehen.

Danke für das Interview und im Namen des gesamten GENERATION-D Teams weiterhin viel Erfolg!

( Interviewzeitpunkt Januar 2017 )